Ein Leben ohne Fahrrad ist nicht denkbar

Schon als Kind baute Moritz Duscheleit Fahrräder auseinander. Auch heute tüftelt der 25- Jährige Radkonstruktionen aus. Nebenbei jobbt er als Fahrradkurier und holt am Kolping-Kolleg sein Abitur nach. 
 

Von Stephanie Streif 10. August 2023, Badische Zeitung, Freiburg i. Brsg
 
Moritz Duscheleit erinnert sich noch genau, wo er seine Leidenschaft für Fahrräder entdeckte. Mit zwölf Jahren habe er damit angefangen, in der Werkstatt seiner Vauban-Hausgemeinschaft an alten Fahrrädern herumzuschrauben, erzählt er. Nicht etwa, um sie zu reparieren, sondern um zu verstehen, wie sie funktionieren. Das Kugellager, der Freilauf, die Bremsen. "Wenn sie nach dem Auseinander- und Wieder-Zusammensetzen auch noch funktioniert haben, umso besser." 
Heute stehen in Duscheleits Schuppen – er wohnt in einem selbst ausgebauten Bauwagen im 
Industriegebiet-Nord – elf Fahrräder, darunter ein Rennrad, ein Mountainbike, ein Liegefahrrad und drei sogenannte Fixies, das sind minimalistische Eingangräder ohne Freilauf, mit dem sich Fahren, aber vor allem gut Rutschen lässt. Skidden heißt das im Fach-Jargon – und ist bei Fahrradkurier-Meisterschaften eine Rennkategorie, bei der Duscheleit in diesem Jahr gleich zwei Mal groß abgeräumt hat: In Bern bei den Schweizer Meisterschaften belegte er Platz eins, in Budapest bei den Europäischen Meisterschaften Platz zwei. 
Das Fahrrad, sagt er bei einem Cappuccino, lasse sich aus seinem Leben nicht wegdenken. Und man sieht es ihm an. Überall Muskeln. Duscheleit ist durchtraniert. Er klettere viel, erzählt er, führe auch ein, zwei Mal im Jahr für den Deutschen Alpenverein Gruppen durchs Gebirge. Vor allem aber fährt er Fahrrad. Im vergangenen Jahr hat er die Langstrecke für sich entdeckt, ist unter anderem in zweieinhalb Tagen von Freiburg nach Hamburg geradelt. Die längste Etappe zog sich über 330 Kilometer, seine Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 26 Stundenkilometer. Wie das zu schaffen ist? Man müsse nur vergessen, ans Aufhören zu denken, empehlt Duscheleit. Er sagt das, als wäre nichts leichter als das. Von Strapazen keine Rede. 
Duscheleit ist einer, der geradeaus denkt. Oder wie er sagt: "Ich habe immer konkrete Pläne, auf die ich zusteuere. Diese können sich aber auch schnell ändern." Darum hat er in seinem Leben auch schon die ein oder andere Kurve genommen. Nach seinem Realschulabschluss macht er eine Ausbildung zum Industriemechaniker – und weiß danach, dass es das nicht ist. Was danach kommt, bezeichnet Duscheleit als seine "Selbstfindungsphase". Er macht Mini-Jobs, unter anderem in einer Kletterhalle und für einen Freiburger Skibauer, schließlich landet er bei einem lokalen Start-up für Scheibenbremsen. Ein Jahr lang bleibt er dort, arbeitet erst in der Montage, dann bei der Endkontrolle. Und immer wieder tauscht er sich mit den Ingenieuren der kleinen Firma aus. Ideen gehen hin und her, eine davon lässt sich Duscheleit gerade patentieren. Ins Detail will er nicht gehen: Das sei doch sehr speziell, sagt er. 
Was Duscheleit aus dieser Zeit aber vor allem mitnimmt: mehr zu wollen. "Ich habe gemerkt, dass ich nicht ein Leben lang als Monteur in der Werkstatt stehen will." Der 25-jährige Freiburger beschließt, am Kolping-Kolleg sein Abitur nachzuholen. Für ihn sei das die richtige Entscheidung gewesen: "Ich lerne gern und schnell." In Mathe und Physik käme ihm durchaus auch seine Ausbildung von damals zugute, in der er auch computergesteuerte Werkzeugmaschinen programmieren musste. Als Umweg würde er seine durch- oder unterbrochene Schulkarriere nicht bezeichnen. Für ihn passt das so. Das Heute hätte es mit dem Gestern nicht gegeben. 
Wo er hinwolle? "Irgendwas Technisches studieren", sagt er. Physik oder Maschinenbau. In seiner Freizeit tüftelt Duscheleit immer noch gerne: Gerade hat er zusammen mit einem Freund ein Lastenfahrrad entwickelt, mit dem sich besonders schwere und sperrige Lasten gut transportieren lassen. Aus dem gemeinsamen Projekt ist er jetzt allerdings ausgestiegen. Um ausreichend Zeit für die Abi-Vorbereitungen zu haben.